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Anlässlich der Terroranschläge in Paris und der Pegida-Kundgebungen in deutschen Städten erklärt der Vorstand von „Haus Abraham e.V.“:


In Paris starben Menschen bei einem entsetzlichen Akt terroristischer Verblendung. In Dresden und anderen deutschen Städten demonstrieren Menschen für Pegida und ein möglichst islamfreies Europa.
Die Bereitschaft zu Gewalt hier und Ausgrenzung dort wächst, und die Verlegenheit, ihr politisch beizukommen, wird offensichtlich. Abgesehen von Maßnahmen, die jetzt national und international erwogen werden, halten wir verstärkte Anstrengungen auf dem Feld von Bildung, Kultur und Gesellschaft für dringend geboten.
Dazu gehört an erster Stelle eine Verbesserung des Klimas zwischen den verschiedenen Religionen, und zwar nicht nur auf der Ebene offizieller Gremien, sondern an der Basis der religiösen Gruppen und Gemeinschaften. Dies kann nicht von oben verordnet werden, sondern muss von unten wachsen. Wir setzen uns praktisch dafür ein und halten fest:

  •  Wer heute mit oder ohne Pegida das Gespenst einer „Islamisierung“ des Abendlandes heraufbeschwört, muss sich daran erinnern lassen, was früher mit dem Gespenst einer angeblichen „Verjudung“ Europas angerichtet wurde.
  • Wer das Wort „Abendland“ im Munde führt, soll sich bewusst machen, wie Judentum, Christentum und – ja, auch – Islam die Wurzeln unserer Kultur bilden.
  •  Wer eine einzelne Religion wie den Islam der Gewalt verdächtigt, muss lernen, dass einerseits Gewaltanwendung zu den dunklen und traurigen Kapiteln aller Religionen gehört und dass andererseits keine von ihnen auf Gewaltmotive reduziert werden kann.
  •  Wer Frieden will, muss Verständigung suchen; vor allem Verständigung vor Ort, in den nachbarschaftlichen Verhältnissen. 

Das „Haus Abraham“ wendet sich wie andere interreligiöse Initiativen

  • gegen den Ungeist einer künstlichen Zerteilung, der statt eines versöhnten Miteinanders das aggressive Gegeneinander betont; und für einen Geist der respektvollen und interessierten Aufmerksamkeit füreinander;
  • gegen die Arroganz der fanatischen Bekenner, die neben sich keine weitere Überzeugung gelten lassen; und für eine Strategie von Begegnungen auf Augenhöhe sowie von gemeinsam getragenen Aktivitäten;
  • gegen die Dummheit der scheinbar Unbelehrbaren, die sich mit dumpfen Parolen füttern lassen und billigen Lockungen erliegen; und für eine geduldig einzuübende Folge von Lernschritten, die eine Befähigung zum Frieden erhoffen lassen.

Wir appellieren an alle, die die Ermordeten von Paris beklagen und Pegida keinen Raum gewähren möchten: ächtet alle brutale und geistlose Gewalt und vertraut auf die Macht des Geistes, der das Gemeinsame sucht.


Haus Abraham e.V.                                                                  Stuttgart 15. Januar 2015


Michael Kashi                     Heiner Küenzlen                         Emel Atak
Jüdischer Sprecher             Christlicher Sprecher                  Muslimische Sprecherin